Linguale Zahnspange: Vorteile, Nachteile und für wen sie geeignet ist

Eine Zahnspange muss heute nicht mehr unbedingt sichtbar sein. Eine Möglichkeit ist die sogenannte linguale Zahnspange. Dabei werden die Brackets nicht auf der Vorderseite, sondern auf der Innenseite der Zähne befestigt. Von außen ist die Zahnspange dadurch kaum oder gar nicht zu sehen.
Das ist für viele Erwachsene und Jugendliche interessant, die ihre Zahnstellung korrigieren möchten, sich aber mit einer sichtbaren Zahnspange nicht wohlfühlen. Doch die Zahnspange von innen hat nicht nur Vorteile. Sie stellt auch besondere Anforderungen an die Mundhygiene, die Gewöhnung und die Behandlung.

Was ist eine Zahnspange von innen?

Bei einer sogenannten lingualen Zahnspange werden die Brackets auf der Zungenseite der Zähne befestigt. Diese werden mit einem Drahtbogen verbunden, der kontrollierte Kräfte auf die Zähne ausübt und sie so Schritt für Schritt in die gewünschte Position bewegt.
Das Prinzip ähnelt somit dem einer herkömmlichen festen Zahnspange. Der entscheidende Unterschied liegt in der Position der Brackets: Während eine klassische feste Zahnspange auf der Außenseite der Zähne sitzt, befindet sich die linguale Zahnspange auf der Innenseite.
Festsitzende Zahnspangen können grundsätzlich Zahnbewegungen in verschiedene Richtungen kontrolliert durchführen. Welche Apparatur geeignet ist, hängt unter anderem von der jeweiligen Zahn- und Kieferfehlstellung, dem Alter sowie der Gebissentwicklung ab.

Der größte Vorteil ist, dass die Zahnspange weitgehend unsichtbar bleibt

Der Wunsch nach einer möglichst unauffälligen Behandlung ist einer der häufigsten Gründe, aus denen sich Patienten für eine Zahnspange von innen interessieren.
Da die Brackets hinter den Zähnen liegen, sind sie beim Lächeln von vorne kaum sichtbar. Das kann insbesondere für Erwachsene interessant sein, die beispielsweise im Berufsleben stehen, viel Kundenkontakt haben oder aus persönlichen Gründen keine sichtbare Zahnspange tragen möchten.
Auch im Alltag kann die unauffällige Optik ein wichtiger Faktor sein. Die Behandlung läuft trotzdem mit einer festen Zahnspange ab.

Welche Vorteile hat eine linguale Zahnspange?

Eine Zahnspange, die von innen getragen wird, kann je nach Ausgangssituation verschiedene Vorteile bieten:

  1. Sie ist von außen kaum sichtbar: Das ist der offensichtlichste Vorteil. Die Brackets befinden sich auf der Innenseite der Zähne und fallen beim Sprechen oder Lächeln normalerweise deutlich weniger auf als klassische Brackets.
  2. Sie ist fest mit den Zähnen verbunden: Im Gegensatz zu herausnehmbaren Zahnspangen muss eine linguale Zahnspange nicht täglich eingesetzt oder herausgenommen werden. Die Apparatur wirkt kontinuierlich auf die Zähne.
  3. Sie kann viele Zahnfehlstellungen korrigieren: Linguale Zahnspangen können bei zahlreichen Zahnfehlstellungen eingesetzt werden. Allerdings ist nicht jede Fehlstellung für jede Art der lingualen Behandlung geeignet. Deshalb wird vor Beginn der Behandlung genau untersucht, welche Zahnbewegungen notwendig sind und welche Apparatur dafür infrage kommt.
  4. Für Erwachsene interessant: Eine unauffällige feste Zahnspange kann eine Möglichkeit für Erwachsene sein, eine kieferorthopädische Behandlung mit möglichst wenigen Einschränkungen des äußeren Erscheinungsbildes zu verbinden.
    Grundsätzlich ist eine kieferorthopädische Behandlung auch im Erwachsenenalter möglich. Welche Behandlungsmethode geeignet ist, hängt jedoch immer von der individuellen Zahn- und Kiefersituation ab.

Welche Nachteile hat eine Zahnspange von innen?

So unauffällig die linguale Zahnspange von außen ist, so deutlich kann sie zu Beginn im Mund spürbar sein.

  1. Die Zunge muss sich erst an die Brackets gewöhnen: Diese befinden sich schließlich an der Stelle, an der die Zunge normalerweise an den Zähnen liegt. Gerade in der ersten Zeit kann sich die Zahnspange deshalb ungewohnt anfühlen.
  2. Die Aussprache kann vorübergehend beeinflusst werden: Insbesondere bestimmte Laute können anfangs schwieriger auszusprechen sein. In der Regel gewöhnt sich die Zunge jedoch an die neue Situation und die Sprachveränderungen nehmen wieder ab.
  3. Die Mundhygiene kann anspruchsvoller sein: Eine feste Zahnspange erfordert grundsätzlich eine sorgfältige Mundhygiene. Da die Brackets einer lingualen Zahnspange jedoch auf der Innenseite der Zähne liegen, sind sie schwieriger einzusehen und zu reinigen. Deshalb ist es besonders wichtig, sich ausreichend Zeit für die Zahnpflege zu nehmen und die empfohlenen Hilfsmittel richtig einzusetzen. Eine gute Mundhygiene ist während einer Behandlung mit festsitzenden Apparaturen entscheidend, um Entkalkungen des Zahnschmelzes und Zahnfleischprobleme zu vermeiden.
  4. Die Zunge kann anfangs gereizt werden: Insbesondere in der Eingewöhnungsphase kann die Zunge durch den Kontakt mit den Brackets gereizt werden. Auch ein Druck- oder Fremdkörpergefühl ist möglich.
    Mit zunehmender Gewöhnung wird die Zahnspange jedoch von vielen Patienten als weniger störend wahrgenommen.
  5. Die Behandlung kann aufwendiger sein: Eine linguale Zahnspange erfordert eine genaue Planung und individuell angepasste Brackets. Nicht jede kieferorthopädische Praxis bietet diese Behandlung an, und nicht jede Zahnfehlstellung lässt sich damit sinnvoll behandeln.
  6. Zusätzliche Kosten sind möglich: Die gesetzlichen Krankenkassen unterscheiden bei kieferorthopädischen Behandlungen zwischen Kassenleistungen sowie Mehr- und Zusatzleistungen. Lingualbrackets werden von der KZBV ausdrücklich als mögliche Mehrleistung genannt. Ob und in welchem Umfang Kosten übernommen werden, hängt daher von der individuellen Behandlungssituation und dem jeweiligen Versicherungsverhältnis ab.

Für wen ist eine Zahnspange von innen geeignet?

Grundsätzlich kann eine linguale Zahnspange für Patienten interessant sein, die eine möglichst unauffällige feste Zahnspange wünschen und bei denen die individuelle Zahn- und Kiefersituation eine solche Behandlung zulässt.

Sie kann besonders interessant sein für:

  • Erwachsene, die keine sichtbaren Brackets tragen möchten,
  • Patienten mit hohen ästhetischen Ansprüchen während der Behandlung,
  • Menschen, die eine feste und nicht herausnehmbare Zahnspange bevorzugen,
  • Patienten mit Zahnfehlstellungen, die mit einer lingualen Apparatur behandelt werden können,
  • Personen, die bereit sind, besonderen Wert auf eine gründliche Mundhygiene zu legen.

Ob eine linguale Zahnspange tatsächlich infrage kommt, lässt sich allerdings erst nach einer kieferorthopädischen Untersuchung beurteilen.

Für wen ist eine Zahnspange von innen eher nicht geeignet?

Nicht jede Zahn- oder Kieferfehlstellung lässt sich mit jeder Behandlungsmethode gleich gut korrigieren. Eine linguale Zahnspange ist beispielsweise dann keine geeignete Wahl, wenn die geplanten Zahnbewegungen mit dieser Apparatur nicht sinnvoll oder zuverlässig durchgeführt werden können.
Auch Patienten, die große Schwierigkeiten bei der Reinigung einer festsitzenden Zahnspange erwarten oder bereits Probleme mit der Mundhygiene haben, sollten die Vor- und Nachteile besonders sorgfältig mit dem Kieferorthopäden besprechen.
Darüber hinaus kann die Behandlung für Menschen, die sich bereits durch kleine Veränderungen der Zunge oder Aussprache stark gestört fühlen, zunächst gewöhnungsbedürftiger sein.
Entscheidend ist deshalb nicht allein der Wunsch nach einer unsichtbaren Zahnspange. Die Behandlungsmethode muss vor allem zur Zahn- und Kiefersituation sowie zum geplanten Behandlungsziel passen.

Zahnspange von innen oder durchsichtige Zahnschienen?

Eine linguale Zahnspange ist nicht die einzige Option für eine möglichst unauffällige kieferorthopädische Behandlung. Je nach Fehlstellung können auch durchsichtige Zahnschienen, sogenannte Aligner, infrage kommen.
Allerdings unterscheiden sich beide Behandlungsmethoden deutlich voneinander: Eine linguale Zahnspange ist fest auf den Zähnen befestigt, während Aligner zum Essen und zur Zahnpflege herausgenommen werden können. Gleichzeitig sind Aligner nicht für jede Zahn- oder Kieferfehlstellung geeignet.
Welche Variante besser geeignet ist, hängt deshalb nicht nur von den persönlichen Wünschen, sondern vor allem von den notwendigen Zahnbewegungen ab.

Wie läuft die Behandlung ab?

Zu Beginn steht eine ausführliche Untersuchung. Dabei wird die Zahn- und Kieferstellung analysiert, um festzustellen, welche Korrekturen notwendig sind.
Im Anschluss besprechen wir gemeinsam, welche Behandlungsmöglichkeiten infrage kommen. Wenn eine linguale Zahnspange geeignet ist, werden die Brackets auf der Innenseite der Zähne befestigt.
Während der Behandlung finden regelmäßige Kontrolltermine statt. Dabei wird überprüft, wie sich die Zähne bewegen und ob die Apparatur angepasst werden muss. Bei einer festen Zahnspange können beispielsweise die Drahtbögen gewechselt oder weitere Elemente hinzugefügt werden.
Nach Abschluss der aktiven Behandlung folgt die sogenannte Retentionsphase. Sie dient dazu, die erreichte Zahnstellung langfristig zu stabilisieren. Zu diesem Zweck können festsitzende oder herausnehmbare Retainer verwendet werden.

Ist eine innenliegende Zahnspange die richtige Wahl?

Eine Zahnspange von innen hat einen entscheidenden Vorteil: Die kieferorthopädische Behandlung ist von außen kaum sichtbar. Gerade für Erwachsene kann das ein wichtiger Grund für eine linguale Behandlung sein.
Gleichzeitig sollte die Entscheidung nicht ausschließlich nach ästhetischen Gesichtspunkten getroffen werden. Die Eingewöhnung kann etwas anspruchsvoller sein, die Mundhygiene erfordert besondere Sorgfalt und nicht jede Zahnfehlstellung eignet sich gleichermaßen für eine linguale Zahnspange.
Welche Behandlungsmethode im individuellen Fall sinnvoll ist, lässt sich am besten nach einer persönlichen Untersuchung und einer ausführlichen Beratung beurteilen. Dabei können auch Alternativen wie klassische feste Zahnspangen oder durchsichtige Zahnschienen miteinander verglichen werden.
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